Karkavitsas, Andreas: DER BETTLER
 
 

Karkavitsas, Andreas: DER BETTLER

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Produktinformationen "Karkavitsas, Andreas: DER BETTLER"

Dieses Buch erschien zum ersten Mal 1896. Es ist ein Klassiker der volkssprachlichen griechischen Literatur und wird bis heute immer wieder neuaufgelegt. Erzählt wird das Leben in Thessalien wenige Jahre nach der Eingliederung dieser ehemals türkischen Provinz in den griechischen Staat. Zentrale Figur ist Tsiritokostas, der Bettler, dessen professionelle Bettlerschliche im Zusammenspiel mit Rückständigkeit und Aberglaube der Bauern ein ganzes Dorf ins Verderben stürzt. Die Zustände werden mit Einfühlungsvermögen, Realismus und kritischem Blick ohne jegliche romantische Verklärung des Dorflebens geschildert. Die reiche und nuancierte Sprache, deren Bildkraft und Stilsicherheit in Griechenland ihresgleichen sucht, macht aus dem Buch einen im deutschsprachigen Raum bislang übersehenen wichtigen Beitrag Griechenlands zur Literatur des Naturalismus. Leseprobe: (S. 24) (...) "Was willst du, Seelenschinder?" schrie Walachas plötzlich los, drehte sich um und sah ihn an, "he, was willst du? ..." Er zitterte am ganzen Leib. Seine Haare hingen wie Hanffasern unter der Dienstmütze hervor. Sein Gesicht war gelb, die Augen trüb, von der spitzen, hängenden Nase tropfte Gift, seine Lippen bebten und das blutleere Zahnfleisch erschien grell weiß. Seine Finger waren drohend gekrümmt und verrieten das jähzornige Gemüt, das in ihm kochte, bereit, seinen Peiniger zu zerstückeln. Vor diesem furchterregenden Anblick des Zollwächters wäre jeder andere schleunigst geflüchtet. Der Bettler aber war kaltblütig bereit, sogar die Schläge von Walachas mit asketischer Geduld zu ertragen. Schläge sind die letzte Steigerung eines Wütenden. Schlüge ihn der Zollwächter, so würde er seinen Zorn abreagieren und schließlich sein Almosen doch entrichten. Und sicherlich wäre es dann viel größer. Durch ein langes Studium der Menschen hatte der Bettler auch diese Erkenntnis gewonnen. Er blieb jetzt ruhig und murmelte nur eintönig: "Edler Herr, Erbarmen!" Bei dieser allzu großen Hartnäckigkeit des Bettlers jedoch riß Walachas¿ Geduldfaden. Er beschimpft ihn unflätig, er jagt ihn fort, und jener jammert einfach unbeirrt weiter. Das bedeutete, daß jener sich über ihn lustig machte. Eine Zielscheibe des Spottes aber war Walachas noch nie gewesen. Und er spürte, wie im Innern seine Nerven ihn sengten, wie die Wirbelsäule, ein glühendes Eisen, brannte, wie die Hitze dumpf durch das Blut wanderte, zu weicher Glut wurde, aufstieg und seinen Kopf überschwemmte wie ein Regenguß ein ausgedörrtes Feld. Urplötzlich stieß er einen hohen Schrei aus, wild wie der Schrei eines Sturmvogels, packte den Bettler an der Hüfte, schleuderte ihn zu Boden und begann, wie besessen auf ihm herumzutrampeln. "Da, du Hund, da, da! ..." (...)
 

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